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Ein Schlossbau Friedrich Barbarossas

Anlässlich eines Hoftages 1188 im „Romanischen Haus“ ließ Friedrich I. Barbarossa das Seligenstädter Palatium auf dem Hochufer des Mains um 1187 in Seligenstadt erbauen.

Der Begriff „Palatium“ bezeichnet eine kaiserliche Residenz, einen „Palas“, einen Wohn- oder Saalbau, das Hauptgebäude einer sogenannten „Pfalz“. Eine Pfalz ist eine Wehrbefestige Anlage mit Repräsentationsräumen, einem Wohnbereich, einer Pfalzkapelle, einem Wirtschaftshof und einem Bergfried. Das „Rohte Schloss“ wie das Seligenstädter Palatium im Volksmund genannt wird, war nur ein repräsantativer Bau, ein Wohn- und Jagdschloss ohne Wehrcharakter, und stellt vielleicht den ältesten Schlossbau im deutschen Raum dar.

Herrschaftssitze der reisenden Kaiser und Könige 

Die Geschichte der deutschen Pfalzen beginnt im 8. Jahrhundert unter Karl dem Großen und erreicht ihren Höhepunkt unter den Staufern im 12. Jhd. Pfalzen entstehen in allen Gebieten des Reiches. Sie dienen als Stätten der Hofhaltung deutscher Könige und Kaiser, die damals nicht von einer zentralen, festen Residenz aus dienten, sondern vor Ort ihre Herrschaft persönlich ausübten. Hier wird Hof gehalten, administrative Entscheidungen werden getroffen, Gerichtsprozesse geführt, kirchliche Synoden abgehalten und hohe Feste wie Weihnachten und Ostern gefeiert. Die Pfalzen sind Ausdruck territorialen Herrschaftsanspruchs und dienen der wirtschaftlichen Stabilität  und dem politischen Zusammenhalt.

Vom Kaiserhof zum Steinbruch

Ab dem 13.Jhd. setzt der Niedergang der deutschen Pfalzen ein. An ihrer Stelle treten feste Residenzen. Nach dem Verlust seiner ursprünglichen Funktion wird das Seligenstädter Palatium geplündert und dient als Steinbruch.
1463 wird die Fassadenmauer in die Stadtmauer einbezogen. Ohne diese Maßnahme wäre sie heute nicht mehr vorhanden.

Die Staufer – Bauherren der Romanik

Mit ihrer regen Bautätigkeit üben die Staufer einen entscheidenden Einfluss auf die romanische Baukunst in Hessen aus. Sie gründen die freien Reichsstädte Wetzlar, Friedberg und Gelnhausen und erbauen Burgen und Pfalzen in Münzenberg, Dreieichenhain, Büdingen, Gelnhausen und Seligenstadt.

Das romanische Palatium

Die Architektur

Das Palatium ist ein rechteckiger Quaderbau mit einer Grundfläche von 47 m x  14 m,  mit einem Erdgeschoss und einem Obergeschoss mit einem früher schiefergedeckten Satteldach. Die repräsentative Fassade ist zum Main hin orientiert. Zwei Wandstützen (Lisenen) stabilisieren die bis zu 1,80 m starke Mauer.

 Zwei Rundbogentore beidseits das Balkonvorbaus (Altan) dienen als Eingänge zum tiefer gelegenen Erdgeschoss, dass durch sechs schmale Nischenfenster gegliedert ist. Hier befand sich eine durch sieben Steinerne Säulen unterteilte,  flachgedeckte Halle, die vermutlich als großer Rittersaal oder als Wirtschaftsraum genutzt wurde.

Über zwei ursprünglich hölzerne, später steinerne Treppen, gelangte man auf den Altan, von hier aus durch zwei Portale (Altarnpforten) ins Gebäudeinnere. Bei dem linken handelt es sich um ein zweifach gestuftes Säulenportal mit Rundbogen und einem Bogenfeld (Tympanon) und die Kelchknospenkapitelle stammen, wie das rechte, einfach gestufte Portal mit Kleeblattbogen und den dreiblättrigen Lilien – aus dem 13. Jhd.

Das Obergeschoss ist durch drei unterschiedliche Fenstergruppen gegliedert, die durch doppelte Überfangbögen, sogenannte Bogennischen zusammengefasst sind. Die rechte Gruppe besteht aus zwei Drillingsarkaden mit je zwei Säulen und vier unterschiedlichen Kapitellen aus dem 12. Jhd.

Die beiden Fenster der linken Gruppe und das linke Fenster der mittleren Gruppe sind schmucklose, hohe Rundbogenfenster. Sie waren nach einem Brand um 1235 unter Friedrich II. erneuert worden. Die linke Fenstergruppe war früher ebenfalls als Drillingsarkaden gestaltet. Das rechte Fenster der mittleren Fenstergruppe ist niedriger, schmaler und weist innen einen Falz zur Aufnahme eines Fensterladens auf.

Der Rhythmus der Fenstergruppe des Obergeschosses weist auf eine Dreiteilung des Innenraums hin: im rechten Teil befand sich der Festsaal, im mittleren Bereich ein Schlafraum und im linken Teil ein beheizbarer Raum für die Frauen (Kemenate).

Ausgrabungen und Restaurierung

Nach ersten Freilegungsarbeiten 1883 im Innern werden 1938 erste Instandsetzungsarbeiten durchgeführt. Die Mauerkrone wird bis zum Traufgesims ergänzt, der Altan nach Vorbild von Gelnhausen rekonstruiert.

Bei Ausgrabungsarbeiten 1996 werden die Fundamente rechts und links des Altans freigelegt. Auf der Terrasse finden sich Überreste von Ständerbauten aus dem 11. und 12. Jhd. Funde wie Geweihreste und Metallschlacken, Muschelschalen, eine Bronzegussform und Bruchstücke von Schmelztiegeln weisen auf die sozial hervorgehobene Stellung der Bewohner hin: Metallverarbeitung war Königsrecht, die Hochjagt war Herrenrecht. Der gesamte Komplex war ein Herren- oder Königshof, ein sogenannter „Dominialhof“.

Bereits im Jahr 1995 wird mit Restaurierungsarbeiten an der Mainfassade begonnen. Die Steine werden neu verfugt und konserviert, die Mauerkrone zum Schutz vor Feuchtigkeit mit einer Bleichschicht überdacht. Im Innenraum des Palatiums werden die Fundamente der steinernen Säulen aufgedeckt, die einst die Decke des Obergeschosses trugen.

2002 folgt die Restaurierung der Süd- und Westwand des Innenraums.  Die bis zu 1m hohe im Originalzustand der Stauferzeit erhaltene Südmauer wird bis zur Höhe des Obergeschosses aufgestockt. Die stauferzeitliche Innenfassade der Westwand wird neu verfugt und ergänzt.

In 2015 wurde die Zugangstreppe zum Palatium, die 1938 ohne Fundament errichtet wurde, abgetragen und mit einem Fundament und mit neuen Sandsteintreppenstufen versehen.

Der FHS hat seit seinem Bestehen erhebliche Geldsummen für die Erhaltung und Erforschung des Palatiums investiert.

Siehe auch: http://www.mittelalterarchaeologie.de/palatium/palatium.html

Die Treppe zum Palatium ist fertig renoviert und wurde am 27. Juni 2015, um 11:30 Uhr in einer kleinen Feierstunde an die Stadt übergeben, nachdem auch noch ein Geländer motiert wurde.

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Kontakt

Förderkreis Historisches Seligenstadt e.V.
Postfach 200 020
63493 Seligenstadt

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